Beruf: Kaplan, Lehrer und
Erzieher in Personalunion
Die Seebner Kapläne, Pfarrer und Kapell-Vögte fein-säuberlich
aufgelistet
Interessante Menschen gab es in Seewen seit jeher. Eine Kategorie davon sind alle geistlichen Würdenträger sowie jene, die sich in den Dienst der Kirche gestellt hatten. Sie alle kannte man im Dorf, weil sie das Dorfleben nachhaltig prägten. Eine Liste der Kapläne und Pfarrer (seit 1700) sowie eine Liste sämtlicher Kapellvögte (= Kassenwarte) von 1564 bis heute ruft bei den älteren Generationen unter uns wohl manche Erinnerungen aus der 'guten alten Zeit' wach.
Von Peter Rickenbacher
In Seewen wie auch in fast allen andern katholischen Ortschaften der Urschweiz stand das Dorfleben Jahrhunderte lang stark unter dem Einfluss der Kirche. Ohne das Einverständnis der Kirche blieb Vieles im Dorf oftmals faktisch stehen. Die Macht der Kirche war allgegenwärtig. Ein typisches Beispiel: Noch vor wenigen Jahren war es dem Dorfpfarrer oder dem Kaplan vorbehalten, den Landwirten von der Kanzel herunter die Erlaubnis zu erteilen, sonntags das Heu von den Wiesen einzufahren… Heute hat sich das Blatt gewendet. Seit der sukzessiven Trennung von Kirche und Staat gegen Ende des letzten Jahrhunderts haben sich die Machtverhältnisse geändert. Heute ist alles klar geregelt.
Kirchliche
Würdenträger prägten das Dorfleben
Der Einfluss der Kirche auf das Leben der weltlichen Gemeinschaft geht insgesamt
Jahrhunderte zurück. Die Kirche war dem Staat in vielen Belangen einfach
überlegen, materiell wie auch in intellektuellen Angelegenheiten. So lag z.B.
das ganze Bildungs- und ein Grossteil des Erziehungswesens fest in den Händen
der Geistlichkeit. Das ergab sich aus dem Umstand. Pfarrer, Kapuziner, Mönche
und sehr viele Ordensschwestern genossen auf ihrem Berufungsweg oftmals das
Privileg des Studiums, waren also allesamt sehr gut gebildet. Dieses Wissen
der kirchlichen Würdenträger wussten die Dorfgemeinschaften zu nutzen. Die
Dorfschaften engagierten Geistliche als Lehrpersonen, die ihrerseits den Kindern
Lesen, Schreiben und die Grundzüge der Mathematik beizubringen hatten. Die
Christenlehre und der Religionsunterricht gehörten fest zum wöchentlichen
Unterrichtsplan. Auf diese Weise wurden die Kinder schon früh zu ‚guten
Christen’ herangezogen; der Einfluss der Kirche auf das weltliche Leben war
damit allgegenwärtig.
Eine Kapelle und
eine Pfarrkirche in Seewen
In Seewen hat die Kirche im 15. Jahrhundert eigentlich ‚Fuss’ gefasst. Gläubige
aber gab es aber natürlich schon zuvor. 1450 wurde die erste Kapelle auf der
Allmeind (heutiges Gebiet um das Schulhaus ‚Seerüti’) gebaut. Damit hatte die
Seebner Bevölkerung ihr erstes Gotteshaus. Auch ‚politische Veranstaltungen’
wurden darin abgehalten. Ein Rathaus oder eine Mehrzweckhalle gab es damals noch
nicht, man traf sich halt eben ganz einfach im grössten Raum im Ort. 1500 dann
erfolgte anstelle der ersten ‚baufälligen’ Kapelle ein Neubau auf dem gleichen
Platze. Ab 1642 errichtete die Kapellgemeinde eine grössere Kapelle – die
heutige – und weihte diese 1644 ein. Rund 14 Jahre lang, von 1761 bis 1775 wurde
die Kapelle von Seewen ein letztes Mal stark umgestaltet und reich
ausgeschmückt. Die Totalrenovation 1978 rettete die Kapelle vor dem Abbruch.
1961 wurde die Pfarrkirche auf dem ‚Krummfeld’ eingeweiht, die ‚alte Kapelle’
war schlichtweg zu klein geworden.
Von Rickenbach
erster Seebner Kaplan
Mit der steigenden Einwohnerzahl wurde auch schon früh der Wunsch nach einem
‚eigenen’ Geistlichen immer lauter. Doch mehrmals scheiterte das Vorhaben der
Seebner Bevölkerung am ‚lieben Geld’. Um ‚Gottes Lohn’ liess sich kein
Geistlicher im Dorf nieder. Mit regelmässigen Geldsammlungen konnte mindestens
zeitweise das kirchliche Wort und der Beistand gekauft werden. Für die wichtigen
kirchlichen Angelegenheiten wie Taufen oder Beerdigungen musste die Bevölkerung
Jahrzehnte lang nach Schwyz in die Pfarrkirche pilgern. Seewen war halt ‚nur’
eine Kaplanei und keine eigentlichen Pfarrei. Diese wurde erst 1966 nach dem Bau
der Pfarrkirche errichtet. Seitdem hat Seewen einen eigenen ‚Pfarrer’ und nicht
mehr ‚nur’ einen ‚Kaplan’. Seinen ersten ständig in Seewen wohnhaften
Geistlichen bekam das Dorf 1700. Johann Georg von Rickenbach aus Arth zog im
gleichen Jahr in das neu erbaute ‚Pfrundhaus’ (= altes Pfarrhaus, heute Wohnhaus
der Familie Schuler-Bolfing) ein. Seitdem betreuten rund zwei Dutzend Geistliche
– darunter einige verdiente Historiker - über drei Jahrhunderte die Seebner
Gläubigen.
Seit 1564 genau
105 ‚Kapellen-Kassiere’
Ohne freiwillige finanzielle Beiträge in die Kirchenschatulle gäbe es die
Seebner Pfarrei wohl in ihrem Umfange noch heute nicht. Immer und immer wieder
organisierte sich die lokale Bevölkerung und engagierte sich für ihre Kaplanei.
Aufgelistet in alter Deutscher Schrift bis zurück ins Jahr 1564 lassen sich
heute alle Kirchen-Vögte nachlesen, welche die Seebner ‚Kirchenfinanzen’ unter
sich hatten. Bis heute sind es genau 105 an der Zahl. Mit Anneliese Bättig von
der ehemaligen Bierhandlung Bättig war der 100. Kapell-Vogt gar eine Frau – die
bisher einzige in der Geschichte. Nicht immer aber übten die Kassenwarte ihre
Aufgaben streng nach den Vorgaben aus. Leider gab es auch in diesen Reihen
schwarze Schafe.
Durch die Neuorganisation in der röm.-kath. Kirchengemeinde Schwyz werden die Buchhaltungen ab 1.1.2006 der drei Pfarreien Seewen, Ibach und Schwyz zusammengeführt und nur noch eine zentrale Buchhaltung für alle gemacht. Aufgrund dieser Situation wurde die Bezeichnung "Kirchenvogt" abgeschaffen. Neu heisst der Verantwortliche in der Filiale: Finanzverantwortlicher im Pfarreigemeinderat.
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Download der kompletten Liste als PDF-Datei (1,3 MB) |
Die alte Kapelle (Mitte) und das alte Pfrundhaus (links) schrieben Seebner
Dorfgeschichte, und vor allem auch die Würdenträger, die darin ein und aus
gingen.
Der kirchliche Einfluss auf die weltliche Gesellschaft war - auch in Seewen -
seit jeher gross. Die Dorfschaften schickten früher ihre Kinder bei kirchlichen
Würdenträgern zur Schule... weil es schlichtweg keine bzw. viel zu wenig
'weltliche' Lehrpersonen gab. Unser Bild zeigt die Seebner Buben der Jahrgänge
1937, 38 und 39 mit Lehrer Kaplan Amgwerd (links).
Pfarrer Josef Konrad Bruhin beendete die lange Reihe der
Seebner Kapläne 1966. Der Grund: aus der Kaplanei Seewen wurde 1966 eine
Pfarreigemeinde Seewen. Damit bekam Seewen seinen ersten Pfarrer. Josef Bruhin
starb 1975. Das Bild entstand anlässlich der Einweihung des Schulhauses
Krummfeld im Jahre 1969.